Übersichtskarte

Sonntag, 10.05.2015

Oruro

 

Sonntag, 10.05.2015

Der Karneval

Um nach langer Zeit nun wieder etwas zu schreiben, werde ich einfach mit den neuesten Erlebnissen beginnen: Der Karneval.

Der Karneval ist ein riesiges Fest hier in Bolivien (in der Stadt Oruro soll er sogar der dritt größte der Welt sein) und wird mit Wasser-, Schaum-, und Farbschlachten gefeiert. Natürlich, die „Entradas“, ob nun in Rio oder Köln, gibt es hier genauso, in bolivianischem Stil versteht sich. Schon Wochen vorher machte die Karnevalvorfreude sich bemerkbar, sodass die Wasserbomben in den Schultaschen der Kinder unverzichtbar wurden. Mit dem Beginn dieser Zeit stieg auch die Vorsicht auf den Straßen, denn von allen Seiten war ein potenzieller Werfer zu erwarten, ein Nicht-Bolivianer leider ein bevorzugtes Ziel. Uns wurde erzählt, dass die Bolivianer alle ihre Handys ab diesem Moment in kleine Plastiktüten verpacken, damit auch keine Wertgegenstände von der Nässe ruiniert werden.

Die Vorkarnevalsstimmung hat sich auch bis zu unserem kleinen Hostel am Rand von Sucre ausgebreitet. Als ich eines Nachmittags nach Hause kam, fand ich die Gästeküche übersät vor, übersät mit prall bunten Wasserbomben. Zusammen mit vier weiteren Voluntarios sind wir dann mit 10 riesig schweren Plastiktüten auf die Suche nach einem Taxi gegangen, was uns für eine halbe Stunde in der Stadt herumfährt. (Die Suche dauerte zum Glück nicht lange, denn 250 Ballons x ca. 30ml ist schon ein ganz nettes Gewicht). Aus den Autofenstern konnte man zwar nur etwas beschwerlich werfen, (vor allem wenn man in der Mitte platziert war.) dafür war der Überraschungseffekt umso größer und sogar den Taxifahrer konnten wir hier und da zum Lachen bringen. Wir warfen auf alle Leute, die sich annährend in unserer Reichweite befanden und übersahen leider, dass es auch Regeln gibt. Als wir alle Wasserbomben auf einen stattlichen Herrn in Anzughose und frisch gebügeltem rosa Hemd warfen, rief der Taxifahrer etwas erschrocken.“ ¡Nein das ist doch ein Señor!“ Also außer Kleinkinder, Schwangere und Alte, werden auch stattliche Señoren von dem Spiel befreit. Nun wussten wir es auch.

Bis zum direkten Karneval spitzte sich die Situation jedoch immer weiter zu. Das Fest der „Comadres“, der Tag der Frauen (es gibt auch „Compadres“, keine Sorge, denn es gibt für so gut wie alles einen Tag im Jahr, der gefeiert werden muss, auch den Tag der Schokolade zum Beispiel.), markiert am Donnerstag vor dem Karnevalswochenende die letzte Fiesta vor dem großen Fest. So tanzten schon am Morgen junge und alte „Cholitas“ (traditionell gekleidete Frauen des Andengebiets) auf den Straßen, sangen und tranken Chicha (traditionelles Maisbiers, welches herkömmlich aus Spucke gebraut wird und leider fürchterlich schmeckt). Zeitgleich wurde auf der Hauptplaza von Sucre „Comadres“ mit einer Wasserschlacht gefeiert, in einem kaum vorzustellenden Ausmaß. Eine Meute aus tausend wuselnden Jugendlichen und darüber eine wuselnde Nebelwelt aus Wasserbomben. Sobald jedoch ein Auto vorbeifuhr (vor allem ein Truck der Polizei mit Mannschaft auf der ungeschützten Ladefläche), gab es eine Dynamik hin zu diesem Ziel und ein Strahl aus Wasser richtete sich auf den fahrenden Punkt. Da wir es diesmal für unpraktisch hielten mit so vielen Plastiktüten voller Wasserbomben auf der Plaza herumzulaufen, entschieden wir, einen Reisekoffer mit den ganzen Wasserbomben zu füllen. Zur Belustigung aller Bolivianer nahmen wir dann mit dem Reisekoffer an der Schlacht teil. Sehr unterhaltend war jedoch auch die Schaumschlacht, welche der des Wassers folgte. Am Ende verließen wir die Plaza vollkommen durchnässt, voller Sprühschaum und mit einem leeren Reisekoffer im Schlepptau, ausgelaugt und mit blauen Flecken von zu hart geworfenen Wasserbomben. Und auch dann noch wurde man mit Eimern voller Wasser von Balkonen oder aus Hauseingängen überrascht. Und ich dachte noch, dass die vorherigen Freiwilligen maßlos übertrieben hätten.

Der Karneval dauert natürlich mehrere Tage, jedoch soll der Samstag, der große Beginn, der beste von allen sein. (der Grund: danach sind alle nur noch betrunken. Beispielsweise wurden in Sucre 257 Tonnen Müll nach dem Karneval von den Straßen gesammelt, den größten Anteil hatten vermutlich Bierdosen.) Die meisten von den Voluntarios wollten nach Oruro fahren, um den berüchtigten Karneval zu sehen. Die Flota-Tickets schon gekauft, stehen wir am Freitagabend am Busterminal, um über Nacht nach Oruro zu fahren, den Karneval zu feiern und Sonntag morgen dann zurück zu fahren (Hotels wären für das Wochenende vollkommen überteuert gewesen). Als wir dann zu 30gst am Terminal standen und die San Jose Flotabusse nach unseren Plätzen durchsuchten, da viel plötzlich auf, dass es die gar nicht mehr gab. Auf dem Ticket stand leider nicht Freitag, sondern das Datum für Dienstag zuvor. Meine Theorie sieht wie folgt aus: als wir die Tickets gekauft haben, waren die Busse für Freitag schon voll, aber das Unternehmen wollte noch mehr verkaufen. Somit hat die Verkäuferin darauf gehofft, dass wir uns nicht das Datum anschauen (was man nie tut!), weil man eigentlich davon ausgeht, dass jemand, der Spanisch als Muttersprache sprich das Wort „viernes“ versteht. Jedenfalls hat auch die Stunde diskutieren, die Sitzblockade vor den Bussen und die Präsenz unseres Mentors Arturo nichts geholfen und die Flotas fuhren ohne uns. Niemand verstand wieso wir nicht in den Gängen sitzen durften, das wird immer gemacht!

Da wir es aber alle als sehr deprimierend empfanden einfach zuhause zu bleiben und unsere ganze Reise nach Oruro abzusagen, suchten wir nach Alternativen. So fuhren Arturo und ein paar Freiwillige los, um in der späten Nacht Reisebusse zu finden. Und tatsächlich fuhr plötzlich ein klappriger Reisebus vor, der uns nach Oruro und zurück für 340 Bolivianos bringen wollte (ca. 45 Euro, trotzdem viel im Vergleich zur Flota, für die wir 9 Euro bezahlt haben.).

Insgesamt muss ich sagen, dass es die schlimmste Flotafahrt war, die ich jemals hatte. In der Nacht wird es natürlich sehr kalt und Oruro hat schon den Ruf kalt zu sein. Da unser Klapperbus leider nur so ca. ne Spanplatte als Außenabdeckung hatte war es im Bus kalt, so richtig kalt. (natürlich keine Heizung.) Ich habe noch nie in meinem Leben so gefroren. Da wir davon ausgegangen sind, mit einem öffentlichen Bus zu fahren, sodass wir unsere Sachen den ganzen Tag und die ganze Nacht auf dem Rücken tragen hätten müssen, nahmen wir ungefähr nichts mit. Ich dachte ich erfriere, an Schlaf war gar nicht mehr zu denken, dazu kamen Buchkrämpfe, weil ich immer noch nicht all das Essen gut vertrage.

Superfrisch kamen wir dann in Oruro an. Am Anfang war es dann auch wirklich richtig schön, denn wir gingen erstmal Hamburguesa (mit Ei) frühstücken und dann auf die Tribühne, um die Entrada zu sehen, die seit morgens um 8 Uhr durch die Stadt zog. Groß, schillernd und extravagant. Mein Lieblingstanz (wie der ungefähr jedes Freiwilligen und jedes Bolivianos) blieb jedoch Caporales, ein Tanz der Afro-Bolivianer in den Yungas, die als Sklaven nach Bolivien kommen mussten. Die taktgebenden Glocken an den Stiefeln der Männer stellen die Fußfesseln der früheren Sklaven dar und deren einheitlich marschierendes Schellen. Caporales ist ein wilder und ausdrucksstarker Tanz (jedenfalls der Teil der Männer, denn die Frauen shaken lediglich ihre Hüften in kaum über den Po reichen Miniröckchen aus Samt, dafür sind sie sehr ansehnlich). Ein weiterer Tanz der sehr schön wild ist, ist Tinku. Dieser repräsentiert einen Kampf mit Fäusten, so werden bei dem Tanz die Arme und Beine um den Körper geworfen wie bei keinem anderen. Beim traditionellen Tinkutanzen in Potisi sollen sich die Tänzer sogar schon blutig und bis zum Tod geschlagen haben. Dazu bilden die bunt fröhlichen Tinku-Trachen einen merkwürdig starken Kontrast.

Als wir dann einige Zeit der Entrada zugeschaut haben, fing es leider so stark zu regnen an (hier ist gerade Regenzeit.), dass kein Regencape mehr dichthielt und wir vollkommen durchnässt die Plätze verlassen musste. Die Situation verbesserte sich zum Glück später wieder und die Sonne trocknete uns. So schauten wir den ganzen Tag mal mit Essen und mal mit Getränken der Entrada zu. Da ich aber solche Angst vor der Nacht im Bus hatte kaufte ich mir noch eine Decke, die auch auf der abendlichen Tribüne nützlich war. Die Rückfahrt wurde somit aushaltbar, jedoch immer noch sehr kühl.

Zurück in Sucre gab es dann Entradas und Wasserschlachten die ganzen Tage des Karnevals. Als es dann jedoch vorbei war, war schätze ich niemand traurig. Immer nass zu werden wenn man nur schnell zum Markt will, ist nämlich auf Dauer etwas anstrengend. Ich kann mich nur noch an Eva erinnern die joggen gehen wollte und so attackiert wurde, dass sie fast weinend nach Hause zurückkehrte, weil kein Schritt möglich war. Wenigstens ist Sucre nur Gebiet des Wassers, während in Santa Cruz, der größten Millionenstadt Boliviens, das Wasser auch noch gefärbt ist.

Als wir dann ein Wochenende danach in Tarija waren, an der Grenze zu Argentinien, und wir mit Wasserbomben beworfen wurden, hatte ich dann wirklich keine Lust mehr.

Samstag, 20.12.2014

eine kleine Fotosammlung

https://www.flickr.com/photos/127439569@N07/ hier ein link zu Fotos von Paul, Max und mir!

Montag, 20.10.2014

El hospital

la Maternidad Im Innern des Hospital San Pedro Claver Und mit der Micro nach Hause! Hospital del Ninos Man bemerke die BLONDEN Kinder auf der Arbeitsuniform! Hospital del Ninos Hospital del Ninos

Freitag, 26.09.2014

Hospital del Ninos

Wieder ein paar Wochen später und Zeit für einen Eintrag. Seid 4 Wochen arbeiten wir nun schon in unseren Projekten, ich im Hospital del Ninos, wie sich dem Namen entnehmen lässt, ein Kinderkrankenhaus.

Am ersten Arbeitstag sollten Max mein Mitbewohner und ich morgens abgeholt werden und in unseren jeweiligen Krankenhäusern vorgestellt werden. Als Aturo, unser bolivianischer Koordinator, mit uns losfahren wollte, und uns beiläufig fragte, ob wir denn auch unsere Krankenhausbekleidung dabei hätten, waren wir leider ganz überrascht. Es hatte uns unglücklicherweise niemand darauf hingewiesen, dass wir uns diese beschaffen sollten, noch wo wir dies tun könnten. Für Aturo war das jedoch ganz belanglos, er war sauer. Zum Glück fiel uns ein, dass noch 2 Kittel von den vorherigen Freiwilligen in unserer Wohnung in irgendwelchen Schränken vermoderten, diese mussten sofort gefunden werden. Meiner bestand den Test, der von Max leider nicht und er wurde zum Bügeln geschickt. Natürlich viel jedoch Aturo erst danach auf, dass der Kittel dreckig und generell viel zu klein ist. Aturo war sauer. Somit mussten wir Kittel kaufen gehen, jeder einen, denn ein Kittel zum wechseln würde ja auch mir nicht schaden. Als wir dann in meinem Krankenhaus ankamen, wurde ich auch ein Paar Stunden zu spät herzlich empfangen.  Nachdem ich dem ganzen Personal im Krankenhaus vom Direktor bis zu den Putzkräften vorgestellt wurde und jeden einzelnen Namen wieder vergessen hatte, wurde mir sogleich Krankenhausinterne Kleidung gegeben, keine Kittel. Diesmal durfte ich sauer sein.

Mein Krankenhaus liegt außerhalb von Sucre in der Nähe des Flughafens, wo nur noch vereinzelt Häuser stehen. Es ist in einem Krankenhauskomplex der Klinik „Hospital San Pedro Claver“ und mit insgesamt ca. 60 Betten eher klein, beispielsweise sind einzelne Stationen hier nur einzelne Zimmer. In meinen Alltag hat ein routinierter Ablauf sich schon sehr gut herausgearbeitet.

Wenn ich mich morgens um 8:30 mit meinem persönlichen Code und Fingerscan eingeloggt habe, geht auch schon gleich die Arztvisite los. Nach amerikanischem System wird jeder Patient vom Tag der Einlieferung in jeder Einzelheit jeden Tag immer wieder neu besprochen. Für mich ist das gut, da mir bei der täglichen Wiederholung die Chance gegeben wird jeden Tag ein kleines Stück mehr zu verstehen. Neben der Patientenvorstellung werden während der Visite auch Medizinstudenten abgefragt, wie sie bei solchen und solchen Krankheitsbildern weiter vorgehen würden. Mir wurde dabei immer ganz mulmig zumute, wenn die Antwort der Studenten auf Grund des gelangweilten Kopfschüttelns der Ärztin immer leiser wurde. Einmal kam ich unglücklicherweise auch in solch eine Situation. Wie jeden Donnerstag war Chefarztvisite mit dem Direktor des Krankenhauses, der leider mit den Ernährungsvorschlägen der behandelnden Ärztin für ein Kleinkind nicht übereinstimmte. Plötzlich kommt er auf die glorreiche Idee mich anzusprechen, vor allen Ärzten und Studenten. Er wollte wissen was ich denn dazu sagen würde, was man in einem entsprechenden Fall in Deutschland dem Kind zu essen geben würde. Da ich in erster Linie diese Frage überhaupt nicht beantworten konnte, leider nur die Hälfte des Streites verstanden hatte und der Ärztin nicht in den Rücken fallen wollte, ob nun Karotten oder Kartoffeln angemessener wären, antwortete ich, leider bruchstückhaft, dass es bei uns industriell hergestellten Brei für Kleinkinder gäbe, welche Inhaltsstoffe mir leider nicht bekannt wären, der aber sehr lecker und sehr bekömmlich sei. Ernüchtert von meiner Antwort drehte der Direktor sich um, und ich verzog mich still und leise in die letzte Reihe zurück.

Eine ähnlich Situation ist mir leider noch einmal passiert, als der Direktor mich bei einer Visite statt auf spanisch auf Quechua fragte, wie es mir gehe. Da ich leider nicht heraushören konnte, dass er eine andere Sprache gesprochen hatte, dachte ich einfach, dass ich eben sein Spanisch nicht verstanden habe und nickte  nett und lächelte. Alle Ärzte fanden das sehr amüsant. Später ließ ich mir dann von einem kleinen 10 jährigen Patienten ein paar grundlegende Quechua Sätze in mein Notizbuch schreiben, um dann auf die sich täglich wiederholende Frage des Direktor „Imaynakasanki“ mit „wallechla“, mir geht es gut, antworten zu können. Auch das fanden die Ärzte sehr amüsant.

Quechua ist die indigene Sprache, die in dem Teil Boliviens gesprochen wird, in dem Sucre liegt. Fast alle Kinder sprechen fließend spanisch und Quechua, manche Eltern können sogar nur die indigene Sprache. Wenn sie ihre Kinder besuchen lächle ich einfach viel und frage penetrant nach, wie es ihnen denn gehe. Manche antworten, manche lachen und manche betrachten mich einfach sehr verdutzt, wieso eine „Gringa“ sie denn auf Quechua anspricht. Als „Gringo“ und „Gringa“ werden alle Ausländer in Bolivien angesprochen, dass sich die Bezeichnung eigentlich auf US Amerikaner bezieht spielt keine Rolle.

Nach der Arztvisite, muss ich dann normalerweise alle Kinder waschen. Zusammen mit einer Schwester gehen wir in alle Zimmer und stellen alle Kinder, ob sie wollen oder nicht unter die Dusche. Auch die Anziehsachen werden regelmäßig ausgetauscht, was doch guten hygienischen Standards entspricht. Trotzdem gibt es kleine Dinge, an welchen man Unterschiede zu Deutschland erkennt. Duschköpfe sind teilweise mit aufgeschnittenen Infusionsbehältern ersetzt, Handtücher werden für mehrere Patienten gebraucht und als Waschlappen wird Babykleidung benutzt. Sehr interessant ist jedoch, dass das Schuhtragen der Kinder von großer Bedeutung ist, manchmal tragen sie ihre Schuhe sogar während des Duschens und das sind keine Flipflops. In Bolivien ist barfuß Laufen nämlich sehr verpönt, denn nur die ärmsten der Armen laufen barfuß herum. Das wird den Kindern von Anfang an beigebracht: in eurem Zimmer, vom Bett bis zur Dusche und sogar in der Dusche tragt ihr Schuhe!

Um 12 Uhr müssen dann die Babys gefüttert werden. Es wurde mir lange nicht zugetraut die Milch dazu anzumischen, denn es könnte ja anspruchsvoll sein je 30ml Wasser einen Löffel Milchpulver hinzuzugeben. Es gibt aber auch teilweise große Differenzen unter den Schwestern nach wie viel Millilitern ein Löffel hinzugegeben werden muss. ob 20 oder 30ml und ob das heiße oder das kalte Wasser zuerst hinzugegeben werden muss, ist Subjekt täglicher Variation. Das Füttern macht aber Spaß, da ich einfach noch wenig Babys selbst auf dem Arm hatte und füttern durfte. Und wenn der 3 Monate alte Gualberto dann auch immer freudig lacht, wenn man ihm dabei den Bauch kitzelt, ist es noch besser.

Nach dem Füttern habe ich meistens etwas Zeit, esse etwas und flitze dann in das Zimmer mit meinen zwei kleinen Lieblingspatienten Alvaro und Aturo. Die beiden Jungen sind Bettnachbarn, 10 und 11 Jahre alt und haben beide starke Verbrennungen. Der erste von der Hüfte die Beide herunter, der andere im Gesicht, an den Händen und an den Füßen. Sie sind beide sehr offen und während die meisten Patienten bei der Arztvisite weinend im Bett sitzen, machen sie sogar Witze mit den Ärzten. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass sie alle so gut kennen, denn Alvarito (die Bolivianer verniedlichen alles!) ist beispielsweise schon 5 Monate im Krankenhaus. Für das Quechua, das die beiden mir beibringen, haben sie mich dazu gebracht, ihnen regelmäßig Essen zuzustecken. Die Stunde, die ich mit den Jungen verbringe macht mir oft am meisten Spaß. Wir reden, machen Hausaufgaben und spielen vor allem UNO.

Bevor ich viel Zeit mit den beiden verbracht habe, habe ich mich in der Stunde, wo ich wenig zu tun hatte, oft zurückgezogen. Da das im Krankenhaus relativ schwer ist, hab ich mich oft im Zimmer mit den Babys „versteckt“, jetzt sehe ich das manchmal neue Krankenschwestern machen. Ich hab mit den Babys gespielt oder mich einfach neben sie gesetzt und gelernt, auch vorgelesen hab ich ihnen manchmal, leider gab es nur die spanische Bibel und so musste ich darauf zurückgreifen. Vielleicht etwas fragwürdig den 3 - 9 Monate Alten Kapitel aus dem neuen Testament vorzulesen, aber es war wenigstens auf Spanisch.

Am Ende meiner Arbeitszeit kommen dann noch die „Signos Vitales“, welche Temperatur, Puls, Atmung und Blutdruck beinhalten. Manchmal mit einer Schwester, manchmal ganz alleine gehe ich dann rum und nehme diese ab. Eine Woche lang habe ich deshalb viele Überstunden machen müssen, denn ich war mir so unsicher (ich mach das ja nicht so häufig), dass ich alles drei Mal kontrolliert habe und somit nicht von 30 sondern von theoretisch 90 Kindern die Vitalzeichen abgenommen habe, manchmal musste ich auch leider etwas schätzen, ich weiß, nicht gut. Aber verstehen tue ich immer noch nicht, wieso bei einem Baby die Schwestern eine Atmung von 30, ich aber leider jedes Mal eine von 60 – 80 messe. Das ist ja nur reines zählen! Zu meiner Verteidigung der neue auszubildenende Krankenpfleger hat eine von 86 gemessen. 

Wenn die Arbeit fertig ist, gehe ich noch mal rum und sage ein paar Patienten tschüss, dem Walter, dem Franz und dem Ruben (kein Scherz!). Dann hopp ich in den Bus, schlaf meistens ein und bin so um vier zuhause.

Montag, 18.08.2014

Die Erkundung Sucres

Die Voluntarios!Erkundung von Sucre Die Erkundung von SucreDie Erkundung von Sucre Die Erkundung von SucreDie Erkundung von Sucre Die Erkundung von Sucre Die Erkundung von Sucre

Montag, 18.08.2014

Einer von zwölf

Insgesamt, nun fast ein Monat, am Dienstag ein Monat. Ein Monat in Sucre, der weißen Stadt. Die letzten 3 Wochen wurden von unserem hyperintensiven Spanischsprachkurs dominiert. Ob Zukunft, Vergangenheit, Konditional oder Imperativ, alles wurde uns in den 3 Wochen in die Köpfe gebohrt.

Den Kurs durfte ich mit meinen 3 netten WG-Kumpaninnen Marie, Pauline und Eva teilen. Immer zu spät und Eva immer ohne Hausaufgaben. Jedes Mal jedoch hat sich Eva lauthals über die Hausaufgaben beschwert, gerade Eva, die sie doch so oder so nicht macht. Luis, unser Sprachlehrer, war ein guter Lehrer, der beste aus der Sprachschule, wie wir fanden. Er sein Hauptinteresse lag nicht beim Spanischlehren was seine Qualität als Lehrer nicht minderte. Über seine Schokoladen- und Urnenproduktion war er merklich passioniert und hat diese Begeisterung an uns vier weitergegeben. Eine hölzerne Urne haben wir jeweils gekauft und die Schokolade regelmäßig im Unterricht getestet. Muy rica. Er redete auch gerne über Politik, natürlich in Spanisch, was nicht nur viel spannender als vorgegebene Lektionsthemen war, sondern uns auch anregte selber an einem richtigen Gespräch teilzuhaben. Er war auch viel netter als alle anderen Lehrer, ruhiger und nicht streng, wollte nicht streng sein. Er nahm es mit Humor, wenn wir a la Boliviana zu spät kamen. Seine Frau jedoch hielt uns einen Vortrag darüber wie wichtig Disziplin sei und wie wir Vorbilder der Deutschen Kultur seien. Sind wir auch, keine Frage, jedoch muss man differenzieren können, wann die Vorbildfunktion wirklich vorhanden und wahr ist und wann nicht. Es ist auch anders als in der Schule, wo ständiges zu spät Kommen, den Lehrer und vielleicht die ganze Klasse stört, da sie mit dem Unterricht schon begonnen haben. Hier jedoch, kam die ganze Klasse zusammen, zusammen zu spät. Niemand wurde gestört. Der Unterricht war von uns gebucht, freiwillig gegen Bezahlung gebucht, also waren wir im Endeffekt die einzigen, die darunter leiden mussten. Dann kann wenigstens der Unterricht gelassen losgehen, wenn der Lehrer es nicht als Problem ansieht, so wie Luis. Problems are a matter of the attitude, würde einer meiner Berliner Freunde sagen.

Neben guten Gesprächsthemen hatte Luis auch noch ein Gespür für gute Geschichten, die er uns vorspielte. Meine Lieblingsgeschichte handelt von einem kleinen Elefanten, der angekettet ist, angekettet an einen Holzpfahl. Er versucht sich zu befreien, doch ist zu klein, als dass er eine Chance hätte. Doch er wächst und wächst und wird größer und stärker. Immer noch angekettet, ist er nun stark genug, um den kleinen Pfahl mit einem Ruck aus der Erde zu reißen, doch er weiß es nicht. Er erinnert sich wie er als kleiner Elefant vergeblich versucht hat sich zu befreien und ist davon überzeugt, dass sich dies nicht verändert hat. Er wünschte er wäre frei, obwohl er immer frei sein könnte, doch seine Erfahrung, sein Wissen hält ihn davon ab.

 

Neben dem Spanischlehren, hat uns die Familie,  die die Sprachkurse leitet geholfen, dass wir vielleicht beim großen Tanzfest der Virgin de Guadalupe mittanzen können. Michelle, die Tochter, tanzt jährlich auf dem Fest in einer traditionellen bolivianischen Folkloregruppe, welche die kürzesten, unglaublich schön bestickten, Miniröcke, den prachtvollsten Kopfschmuck und die höchsten Samtschuhe trägt. Die Männer tragen Schuhe mit großen Glocken, die sich bis zu den Knien hinaufziehen, mit welchen man traditionelle Rhythmen schlagen kann. Von alt bis jung tanzt ganz Sucre verschiede traditionelle Tänze, bekleidet mit wunderschönen Trachten. Wie in Bolivien oft wird getrunken und stundenlang getanzt. Es wird sich zeigen ob die Spanischgruppe zur traditionellen Tanzgruppe wird, ob sie es schafft ihre Hüften so wie die Südamerikanerinnen zu schwingen.

 

Ansonsten haben wir uns hier sehr gut eingelebt. Die eiskalten Duschen am morgen, das ewige Frühstück mit der ewig gleichen Marmelade und die spontan kommenden, überladenen Mikrobusse. Das Bussystem ist auf jeden Fall erwähnenswert, es ist das beste Bussystem was ich bis jetzt kennengelernt habe. Die Busse kommen immer, man wartet nie länger als paar Minuten. Die Busfahrer entscheiden jeden Morgen spontan welche Routen sie fahren, aber es verteilt sich wirklich gleichmäßig, meistens jedenfalls. Es gibt keine Haltestellen zu welchen man laufen müsste, während der ersehnte Bus an einem vorbeifährt, hier winkt man einfach, wenn der Bus kommt und er hält an, sofern er nicht voll ist. Aussteigen kann man, wenn man einfach laut ruft, dass man dies tun möchte. Außerdem bezahlt man immer nur einen Boliviano als „Student“, höchstens 1,50 als Erwachsener. Ein Boliviano entspricht ca. 11 Cent. Die Busse sehen aus wie eine chinesische Version des berühmten VW Busses und sind unglaublich gemütlich. Leider fahren sie nur bis 8 oder wenn der Busfahrer möchte bis 9. Ab dann nimmt man ein Taxi. Sofern man nicht alleine ist, ist es auch gar kein Problem, sich einfach eines von der Straße heranzuwinken. Auch diese sind unglaublich billig. Man verhandelt jedes Mal mit dem Fahrer, zahlt jedoch nie mehr als 5 Bolivianos für eine Fahrt, pro Person. Taxis werden hier nämlich nicht nach Kilometeranzahl bezahlt, sondern nach Anzahl der Menschen. Wir haben den Rekord bis 15 Personen in einem Auto hochgetrieben, denn obwohl eigentlich nach der Anzahl der Menschen bezahlt wird, kostet es niemals mehr als 50 Bolivianos.

 

Bis jetzt habe ich noch keine größeren Ausflüge außerhalb Sucres gemacht, sondern vor allem Sucre erkundet. Die Märkte sind groß und duftend, ob man auf den Mercado Central, den Mercado Campesino oder den Mercado Negro geht, auf den Märkten findet man alles. Am Anfang hätte ich es überhaupt nicht gedacht und habe außer Avocados, Papajas und Orangen nichts anderes gekauft. Wenn man jedoch weiß wo, kann man Anziehsachen, Hygieneartikel und sogar Autoreifen auf den Märken kaufen. Es macht unheimlichen Spaß auf den engen Gängen herumzuwandeln und die Menschen und Verkaufsgegenstände zu beobachten, begleitet von oft angenehmen, in der Fleischregion doch sehr unangenehmen Gerüchen. Immer wieder erinnert es mich an meine Kursfahrt mit dem Deutsch Leistungskurs nach Florenz, bei welcher wir über den dortigen Markt wandeln sollten und unsere Eindrücke schriftlich festhalten sollten.

 

Die Stadt ist sonst wunderschön, obwohl ich sie mir noch weißer und spanischer vorgestellt hätte. In den Außenbezirken gibt es viele neugebaute Häuser, die unverputzt sich in das Stadtbild reihen. Häuser werden nämlich je nach Außenfassade verschieden versteuert, und weißer Putz ist teurer als das Haus einfach unverkleidet zu lassen. Wir haben gehört, dass einmal im Jahr Regierungsangestellte durch die Häuser gehen und nach bestimmten Kriterien der Versteuerung schauen, wie nach der Fassade oder nach der Art der Böden, ob Holz-, Stein oder Parkettfußboden. Für die Besitzer wird es dann verschieden teuer.

Der Plaza, der Mittelpunkt der Stadt, entspricht jedoch genau meinen Vorstellungen, meinen Erwartungen. Groß, grün und mit wunderschön weißen Regierungsgebäuden umgeben. Am Unabhängigkeitstag war der Plaza in den Farben Bolivien wunderschön hergerichtet, mit Flaggen und Luftballons und einer langen Parade, die an zog an diesem vorbeizog, vom Regierungsgebäude Evo Morales winkend.

Ganz kontrastreich neben den schönen Gebäuden sieht man jedoch auch immer wieder erschütternde Armut. Vernachlässigt in der Körperpflege, mit zerrissenen, meist traditionellen Kleidern sitzen die oft alten Menschen an der Straße und betteln. Jedoch auch ein ganz kleiner Junge sitzt, schläft, liegt zu jeder Tageszeit am Plaza, unglaublich jung und unglaublich vernachlässigt.

Dieses schwierige Thema der unglaublichen Armut gewinnt jedoch jetzt an Bedeutung, gerade jetzt, wo die Präsidentenwahl im Land kurz bevor steht und dieses Thema von zentraler Wichtigkeit ist. Der Hauptgegner zur Bekämpfung der Armut ist die Korruption. Mit unserem Spanischlehrer haben wir uns darüber viel unterhalten, denn wir wollten eine bolivianische Meinung zum Präsidenten und zur bolivianischen Politik hören. Unser Lehrer ist total desillusioniert von Politik, nicht desinteressiert, jedoch ist die Stadt berühmt für ihre kritische Haltung dem Präsidenten gegenüber. Die Regierung sei die korrupteste Regierung überhaupt, gefolgt von der Polizei als korrupteste Institution. Zudem sagt er, hätte Evo Morales auch für sehr arme Menschen nicht viel verändern können, er sei mehr ein Bild für eine Gleichstellung zwischen der indigenen Bevölkerung und den spanischen Nachfahren. Luis geht sogar soweit, Morales eine Diktatur hinter demokratischer Fassade vorzuwerfen. Er sagt, man dürfe zwar offiziell Kritik an Morales üben, je nach Gesellschaftsposition bekommt man jedoch sehr viele Probleme, wenn man kritische Worte erhebt.

Gerade das ist sehr interessant vor dem Hintergrund, dass Evo Morales in Europa als sehr positiv gesehen wird, Evo Morales der erste indigene Präsident.

Mittwoch, 30.07.2014

Die ersten Tage oder auch die Periode des Delirium

6 Tage in der WG, 6 Tage Sucre, 6 Tage Bolivien. Ein Tag davon eine Wanderung zwischen Bett und Hängematte, eine Wanderung im Schlafack, "die Raupe" wie ich genannt wurde. Die einrahmenden Nächte schlaflos. Der Magendarminfekt traf mich als erste, nun schleicht er sich langsam von Freiwilligen zu Freiwlligen. Vielleicht lag es an dem fremden Essen, den fremden Bakterien, auf jeden Fall schütte sich in den Nächten mein Mageninhalt aus, während ich den Tag im Delirium verbrachte. Während meine Mitbewohner einen großen Stadtspaziergang in der Gesellschaft zweier Einheimischer machten und zu einem, wie sie beschrieben, "exorbitant schönen Aussichtspunkt" emporstiegen, lag ich mit Thermoanziehsachen, Wollpulli, zwei Hosen, Schal und Schlafsack in der sonnigen Hängematte in unserm kleinen Innenhof. Ausgerüstet mit zwei Litern Cola, leider salzlosen Cracka und meinem Kindle erwartete ich meine Gesundheit. Vor sonstiger Nahrung sträubte sich mein Magen und das, trotz der leichten Verfügbarkeit. Zu allen drei Mahlzeiten werden wir nämlich bekocht, da unsere WG genau an ein Hostel anschließt und wir bei den dortigen Mahlzeiten teilhaben dürfen. Leider ist das Verständnis vom Vegetariertum relativ gering und jede Mahlzeit beeinhaltet Fleisch. Am Anfang sollten wir das Fleisch einfach aus dem Essen heraussammeln, doch die Köchin wird immer mutiger bishin zu Hühnerfrikassee auf Sojabasis oder Karrottenkäsebouletteh, welche manche fleischessende Freiwillige dazu veranlasst haben nachzudenken sich meiner Fleischentsagung hier anzuschließen. 

Am Abend brachte der Drang nach Gesellschaft mich dann dazu mit der WG und den zwei Einheimischen Aron und Rodriges, dem Sohn des Hostelbesitzers sowie sein Freund, in eine Bar zu gehen. Da Rodriges ein Auto besitzt wollten wir damit ins Zentrum fahren. 12 Personen passen, nun empirisch nachgeprüft, in ein Auto. 3 Personen vorne, und neun gestapelt auf dem Rücksitzt. Unglücklicherweise habe ich den Boden des Stapels gebildet, was möglicherweise nicht zu meiener Genesung beigetragen hat. Ich musste leider relativ früh von einem betrunkenen Rodrigo nach hause gefahren werden, damit ich nicht die Bar mit Cola und Crecka übersähe. Zur kleinen Erklärung: Verkehrsregeln gibt es natürlich, doch vor allem in der Theorie. Alles und jeder fährt und hupt. Zwischen all den hupenden und aufeinander fahrenden Autos sind Fußgänger, Verkäufer, Scheibenputzer, Ballkünstler und natürlich wir. Auch bei Alkohol am Steuer gibt es wenig Regeln. Sie sind zwar theoretisch vorhanden, aber wenn ein Polizist einen anhält, dann wird das Problem mit 20 oder 30 Bolivianos schnell geregelt, meint Rodrigo. Auf vielen Ebenen ist Bolivien zwar sehr fortschrittlich, in seiner Verfassung beispielsweise, aber auch in einer flächendeckenden Hungerhilfe, sodass hier theoretisch niemand zu verhungern braucht, doch Bestechlichkeit, Korruption sind fast überall. Am nächsten Morgen jedenfalls hab ich gehört, dass Rodrigo noch eine Weitere Runde zum Hostel gefahren ist, die Runde mit dem Auto nach dem Club musste dann doch Aron übernehmen. Alle sind angekommen. Viva Bolivia! 

 

 

Freitag, 25.07.2014

Ankunft in Sucre

Endlich angekommen! Nach 3 Flügen, einer Nacht im Hostel in Santa Cruz und einer 16 stündigen Nachtbusfahrt sind wir Freiwilligen endlich in unserer WG in Sucre angekommen. Es ist sehr schön sonnig jedoch auch unglaublich frisch, was man in 2800m Höhe der Andenausläufer vielleicht gar nicht anders erwartet. Außer ein paar Verständigungsproblemen und ein paar Magenverstimmungen ist soweit alles gut gegangen. Das Wochenede haben wir jetzt Zeit die weiße Kolonialstadt zu erkunden und damit viva Bolivia!!

Freitag, 25.07.2014

Bald geht es los

Dies ist der erste Eintrag in meinem neuen Blog. In Zukunft werde ich hier über meine Erlebnisse im Ausland berichten.